Bitterstoffe und ihre Wirkung

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Bittere Heilpflanzen wie die Mariendistel und das Tausendgüldenkraut sind seit jeher ein fester Bestandteil der Naturheilkunde. Sie werden wegen ihrer wertvollen Bitterstoffe geschätzt und vielseitig eingesetzt. Stehen auf Ihrem Speiseplan auch regelmässig bittere Gemüsesorten wie die Endivie oder Bitterkräuter wie der Löwenzahn? Erfahren Sie, was Bitterstoffe genau sind, wie sie wirken und in welchen Kräutern, Früchten und Gemüsesorten sie enthalten sind.

Was sind Bitterstoffe?

Bitterstoffe gehören zu der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe. Sie bezeichnen keine einheitliche chemische Stoffgruppe, ihr gemeinsames Merkmal ist einzig der bittere Geschmack. Bekannte Bitterstoffe sind zum Beispiel Cynarin (in der Artischocke), Amarogentin (im Gelben Enzian) und Chinin (aus Chinarinde, das in geringen Mengen dem beliebten Tonic-Wasser seinen einzigartigen Geschmack verleiht). Heilpflanzen mit Bitterstoffen können in verschiedene Kategorien unterteilt werden: Es gibt u.a. die, bei denen die bittere Wirkung allein zählt (Enzian, Löwenzahn) und die, die auch noch ätherische Öle (Wermut, Engelwurz, Pfefferminze) oder gar scharfe Stoffe (Galgant) enthalten. 

Bittere Pflanzenstoffe sorgen dafür, dass sich die Pflanzen vor Fressfeinden schützen können. Doch nicht nur in der Botanik sind Bitterstoffe von grosser Bedeutung, sondern auch für den menschlichen Organismus. Besonders wenn es um Probleme des Magen-Darm-Traktes geht, können Betroffene von Bitterstoffen profitieren.


Wie wirken Bitterstoffe?

Schon Hippokrates und Hildegard von Bingen haben auf die Kraft von Bitterstoffen gesetzt. Doch wie wirken Bitterstoffe genau? Sie sorgen im menschlichen Körper dafür, dass die Speichelproduktion und die Produktion von Verdauungssäften wie dem Magensaft angeregt werden. Das sorgt dafür, dass die Verdauung gefördert wird, was wiederum für Magen, Darm, Galle, Bauchspeicheldrüse und Leber von grosser Bedeutung ist. Die Gallenblase benötigt Bitterstoffe um ausreichend Gallenflüssigkeit produzieren zu können. Fehlen die wertvollen Bitterstoffe in der Ernährung, so kann es langfristig zu Verdauungsstörungen oder auch Stoffwechselproblemen kommen. 

Bitterstoffe sind aber nicht nur für Ihre Verdauung von grosser Bedeutung, sondern auch für Ihr körpereigenes Abwehrsystem. Die enthaltenen Wirkstoffe tun Ihrem Immunsystem etwas Gutes und sind entzündungshemmend. Durch den regelmässigen Genuss von Bitterstoffen können Sie Ihrem gesamten Organismus etwas Gutes tun. Die Verdauung des menschlichen Körpers beginnt bereits im Mund. Sobald der Speichel die Nahrung berührt, findet der erste Teil der Verdauung statt. Sobald Bitterstoffe Ihre Zunge berühren, beginnen die positiven gesundheitlichen Effekte bereits im Organismus zu wirken. Bitter wirkt auch ganzheitlich: Bitterrezeptoren finden sich nicht nur im Mund auf den Geschmacksknospen, sondern im ganzen Körper. Die Stimulation der Bitterrezeptoren im Magen kann zum Beispiel bei Appetitlosigkeit helfen. Auch Unterstützung bei Völlegefühl oder Sättigungsgefühl werden den bitter schmeckenden Lebensmitteln nachgesagt. 


Bitterer Geschmack? Ein Must-have für die Gesundheit!

Heutzutage haben es bittere Lebensmittel immer schwerer. Die meisten Menschen möchten Ihren Gerichten lieber eine salzige, süsse oder saure Geschmacksrichtung verleihen, deshalb wurden Bitterstoffe in jahrelanger Arbeit aus diversen natürlicherweise bitterstoffhaltigen Gemüsesorten herausgezüchtet. Immer mehr Geschmacksverstärker in den Nahrungsmitteln sorgen dafür, dass kaum noch bewusst zu etwas Bitterem gegriffen wird. Die erste Reaktion ist daher oft eine negative, sobald bittere Nahrungsmittel auf dem Speiseplan landen.  Dabei entfalten Bitterstoffe bereits im Mund Ihre Wirkung. Anstatt bittere Lebensmittel zu meiden, sollten Sie immer öfter zu ihnen greifen. Sie werden sehen, wie sich Ihre Rezeptoren schnell an diesen Geschmack gewöhnt. 

Je bitterer Ihnen am Anfang die Lebensmittel erscheinen, umso wichtiger ist es, dass Sie diese öfters in Ihren Speiseplan integrieren. Dadurch zeigt Ihnen Ihr Geschmackssinn, dass Sie es schon gar nicht mehr gewöhnt sind, Bitterstoffe zu schmecken. Gerade auch für kleine Snacks und Zwischenmahlzeiten lohnt es sich jedoch allemal, anstatt auf den süssen lieber auf den bitteren Geschmack zu setzen. So können Sie Ihren Körper etwas "austricksen" und nicht immer weiter Verlangen nach Süssem haben.


Welche Lebensmittel enthalten Bitterstoffe?

Bitterstoffe stecken in vielen wertvollen Lebensmitteln wie zum Beispiel Obst, Gemüse und Kräutern. Zu den sogenannten Bitterkräutern gehören Wermut, Enzian (genauer gesagt die Enzianwurzel), Engelwurz, Galgant, Tausendgüldenkraut und viele mehr. Enzian gilt als eine der bittersten Pflanzen, sie enthält den bittersten natürlichen Stoff Amarogentin. Auch Wildkräuter wie Löwenzahn oder Gänseblümchen enthalten bittere Stoffe.

Kräuter, die Bitterstoffe enthalten

Kräutergarten
  • Schafgarbe
    Die Schafgarbe ist schon seit langer Zeit als Heilpflanze bekannt. Sie bevorzugt viel Sonneneinstrahlung und wächst auf Wiesen oder an Hängen. Schafgarbe enthält nicht nur wertvolle Bitterstoffe, sondern auch ätherische Öle, Kalium und Flavonoide. Dieser Pflanze wird häufig bei Blähungen, Beschwerden der Harnwege und Nierenproblemen eingesetzt. Sie wirkt wundheilend und blutstillend.

  • Löwenzahn
    Auch Löwenzahn enthält viele wertvolle Bitterstoffe, er gehört wie die Enzianwurzel zu den Bitterkräutern. Vielleicht haben Sie einmal einen Löwenzahntee getrunken, dann wissen Sie, wie bitter dieser schmecken kann. Dieses Kraut wirkt verdauungsfördernd, harntreibend und entschlackend. Gerade ein Tee aus Löwenzahn wird auch besonders gerne bei Schmerzen in der Magengegend angewendet.

  • Hopfen
    Viele verbinden Hopfen natürlich mit der Herstellung von Bier. Nicht nur in diesem Bereich findet Hopfen Anwendung, sondern auch bei Nieren- und Blasenbeschwerden. Durch die enthaltenen Bitterstoffe hat Hopfen antibakterielle, beruhigende und auch schlaffördernde Eigenschaften.

  • Beifuss
    Diese Pflanze wird in ihrer Wirkung auf den menschlichen Organismus oftmals unterschätzt. Beifuss findet sich vorwiegend an Wegrändern. Die enthaltenen Bitterstoffe machen diese Pflanze zu einer Wohltat für den Magen- und Darm-Trakt. Sie kann zum Beispiel die Fettverdauung ankurbeln und dazu führen, dass schwer verdauliche Gerichte besser verdaut werden können. Zudem kann Beifuss bei Gallen- und Leberleiden, Durchfall und Mundgeruch zum Einsatz kommen.

  • Baldrian
    Falls Sie schon einmal Baldriantropfen eingenommen haben, dann wissen wie, welchen Eigengeschmack diese Pflanze hat. Die enthaltenen Bitterstoffe und ätherischen Öle sorgen dafür, dass Baldrian einen grossen Einfluss auf das Gehirn hat. Die entspannende und beruhigende Wirkung des Baldrians können somit bei Stress und Unruhezuständen Linderung verschaffen. Ein ganz wichtiger Vorteil von Baldrian ist, dass Sie durch die Einnahme zwar beruhigt, aber nicht schläfrig werden.
     
  • Wegwarte
    Für viele Menschen ist diese Pflanze wohl auf den ersten Blick unbekannt. Gerade in den Sommermonaten findet sie sich wie ihr Name schon sagt, am Wegesrand. Es gibt bekannte Zuchtformen der Wegwarte, die wir in den westlichen Ländern als Chicorée oder Radicchio kennen. Diese Heilpflanze eignet sich besonders gut für die Zubereitung von Tee. Die enthaltenen Bitterstoffe können gerade bei Gallen-, Magen-, Darm- und Nierenleiden ihre positiven Eigenschaften entfalten.

  • Tausendgüldenkraut
    Das Tausendgüldenkraut, auch treffenderweise Bitterkraut genannt, findet besonders bei Beschwerden im Magen-Darm-Trakt Anwendung. Die enthaltenen Bitterstoffe sorgen zum einen dafür, dass die Produktion der Verdauungssäfte angeregt wird und zum anderen, dass die Aktivität von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse zunimmt. Auf diese Weise ist das Tausendgüldenkraut ein bewährter Helfer, um die Darmperistaltik anzuregen und somit Verdauungsbeschwerden zu lindern. Die enthaltenen Bitterstoffe haben zusätzlich nicht nur eine verdauungsfördernde, sondern auch eine antibakterielle Wirkung auf den Körper.

  • Pfefferminze
    Dieses Heilkraut aus dem Garten gehört durch die enthaltenen Bitterstoffe, ätherischen Öle, Gerbstoffe, Flavonoide und Enzyme unbedingt auf den Speiseplan. Sie kann Ihren Organismus dabei unterstützen Krämpfe zu lösen und Schmerzen zu lindern. Die Pfefferminze entfaltet eine beruhigende und antibakterielle Wirkung, die Ihrem Körper guttun wird.

Gemüse, Obst und Blattsalate, die Bitterstoffe enthalten

  • Artischocken
  • Chicorée
  • Endivien
  • Brokkoli
  • Rosenkohl
  • Rucola
  • Mangold
  • Radicchio
  • Pomelo
  • Grapefruits
  • Zitrone
  • Kumquats
Kohl enthält Bitterstoffe
 

3 Tipps, um Bitterstoffe in die tägliche Ernährung zu integrieren

Oft ist es gar nicht so einfach, die wertvollen Bitterstoffe in die Ernährung einzubauen. Einige Tipps, die Ihnen dabei helfen können, Ihren Speiseplan mit Bitterstoffen zu füllen.

  • Damit Bitterstoffe Ihre volle Wirkung entfalten können, sollten Sie diese mit Vitamin-C-haltigen Lebensmittel kombinieren. Diese können zum Beispiel: Rosenkohl, Paprika, Spinat, Grünkohl, Brokkoli oder auch schwarze Johannisbeere sein. Geben Sie ansonsten ruhig etwas Zitronensaft über Ihren Salat, um die Wirkung der Bitterstoffe zu unterstützen.  
  • Öfters mal zu Wildpflanzen, Wildkräutern und ursprünglichen Gemüsesorten greifen. Die enthalten oftmals mehr Bitterstoffe als kultivierte Sorten, aus denen ebendiese herausgezüchtet wurden. 
  • Greifen Sie zu den richtigen Lebensmitteln. Falls Sie einen Balkon oder Garten haben, können Sie auch einmal probieren, bitteres Gemüse oder Heilkräuter anzubauen. Das hat im Gegensatz zu gekauften Lebensmitteln oder Kräutern den Vorteil, dass diese nicht belastet sind und von Haus aus die vollen Vitamine und Nährstoffe enthalten. Falls Sie keine Möglichkeit zum selbst anbauen haben, dann versuchen Sie doch einmal Bio-Produkte zu verwenden.
  • Geben Sie auch gerne eine Extra-Portion Bitterstoffe nachträglich durch Tropfen, Pulver oder Sprays zu Ihren Mahlzeiten hinzu.

Fazit: Darum sind Bitterstoffe wichtig

Bitterstoffe können Pflanzen vor Fressfeinden schützen und können auch für den Verdauungstrakt von uns Menschen einiges: Die Geschmacksrichtung lässt zwar vielleicht nicht die Geschmacksknospen aller Menschen tanzen, aber der Gaumen und unsere Rezeptoren können sich zum Glück an bitter schmeckende Gemüsesorten, Bitterpflanzen und auch konzentrierte Bittermittel gewöhnen. Die Wirkung setzt an vielen Orten an: Durch das Kauen werden bereits die Rezeptoren im Mund zur Produktion von Speichel angeregt - eingespeichelt werden Lebensmittel besser verdaulich. Die Produktion von Verdauungssäften wie Magensaft und Gallenflüssigkeit wird weiter unten im Verdauungstrakt angeregt. Die regelmässige Einbindung von bitteren Lebensmitteln hilft, die Geschmacksrezeptoren wieder an bitter zu gewöhnen, sodass man die positiven Eigenschaften von Chicorée, Endivie und Co. auch geniessen kann!

 

Bildquellen:
Titelbild - iStock.com/svetikd
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